One Billion- Rising -Tanzen gegen Gewalt

Wir waren am 14.02.2019 dabei und freuen uns auch schon auf das nächste Jahr. Der Flashmob gegen Gewalt an Frauen findet einmal jährlich seit 2012 statt.

 

 

Weihnachtsgrüße

Was für ein Jahr – 2018 im Rückblick oder 40 Jahre Autonomes Frauenhaus Lübeck

Abgewiesene Frauen und Kinder:  155 Frauen und 255 Söhne und Töchter konnten wir aufgrund von Platzmangel nicht willkommen heißen.

Belegung im Frauenhaus: Die durchschnittliche (Über-)Belegung betrug bis zum 31.10.2018 113%, es kamen 173 Frauen und 224 ins Haus.

Chaos und Charakter: die Bewohnerinnen unterstützen uns unermüdlich, sie rücken zusammen und helfen den neu angekommenen Bewohner*Innen mit allem, was nötig ist.

Dankbarkeit:  wir haben es nicht vorhergesehen, dass uns die Verwaltung und Politik der Hansestadt Lübeck so schnell und maßgeblich unterstützt.

Empowerment:  zwölf Lübeckerinnen erobern die Bühne des Theater Lübecks. Sechsmal ausverkauft ist „herstory“, ein frauenpolitischer Szenenabend mit Angestellten, Rentnerinnen, Künstlerinnen und Frauenhausfrauen.

Frauen helfen Frauen:  ein Verein mit Power und Programm für Frauen mit Mut und Beharrlichkeit.

Generationen: im Frauenhaus stand wieder ein Generationenwechsel an. Ilse Lichtenthäler ging in Rente. Wir danken ihr für die Arbeit im Finanzwesen, ihre Nachfolgerin Britta Johannesson schaltet und waltet kollegial, sicher und kompetent.

Härtegrade:  das Leben für Bewohnerinnen im Frauenhaus wird härter, der Druck steigt, Sorgerecht, Aufenthaltsrecht, Armut und Wohnungsnot zerren an der Geduld der Frauen.

Internationale Vernetzung: die feministischen Sozialwissenschaftlerin Patricia Bell lädt uns ein am EU-Projekt zur „Situation der Mädchen und Jungen im Frauenhaus“  aktiv mitzuwirken (Wien/ London/Leipzig)

Jugendliche: sie  gestalten ihr gemeinsames Zimmer neu und entwickeln die „Nutzungsbestimmungen“.

Kreativität: Einfallsreichtum lebt in allen Bereichen, z.B.: Renovierung, Spendenakquise, Haus- und Freizeitgestaltung

Laden 58: die Arbeit geht weiter, das 4-Frauen-Team schmeißt den Laden und kann die laufenden Kosten fast eigenständig erwirtschaften, „Patinnen für  Monatskarten des Ladenteams gesucht!“

Miteinander: viele engagierte Damen und Herren arbeiten im Sinne der Gleichberechtigung und des Gewaltverzichts eng mit dem Frauenhaus zusammen, z.B.: das Frauenbüro, das Frauenwerk, die Polizei, Vorwerker Diakonie, die Schulen, Kitas und Tagesmütter, die Lübecker Frauenfacheinrichtungen, das Kinderschutzzentrum, das Jobcenter und viele, viele mehr.

Nachhaltigkeit zeigt sich in der Arbeit; die Bewohnerinnen bestimmen selbst,  auch über die Dauer ihres Frauenhausaufenthaltes. Auf der Grundlage ihrer Frauenhauserfahrung  unterstützen viele Ehemalige unsere Arbeit über Jahre und  Jahrzehnte, danke!

Oh je! Der Frauenhausalltag nimmt uns manches Mal so gefangen, dass wir wichtige Gespräche und Veranstaltungen versäumen, wir bitten um Entschuldigung!

Power: im Haus herrscht oft Hochbetrieb, der Alltag mit vielen Menschen erfordert Geschick und Tempo, Ideen und Geduld, Professionalität und Leidenschaft. Im Außen, in Lübeck sehen wir die Verantwortung für eine Politik ohne Rassismus, Extremismus und ein klares Belenntnis  zu den Menschenrechten als vordringliche Aufgabe.

Quadratur des Kreises: nach wie vor und das nun schon seit mehr als 30 Jahren ist es uns noch nicht gelungen, eines bundesweite Finanzierung auf der Grundlage der Beteiligung von Bund ( allgemeine institutionelle Kosten), Land (Platzkosten) und Stadt (Raumkosten) als Basisfinanzierung zu erwirken, die nicht auf die einzelne Frau abgewälzt werden kann.

Risiko!  2017 wurden 147 Frauen durch ihre (Ex-) Partner getötet.  Anfang Dezember  wurde Juliet, die Mutter von vier Kindern in Hamburg getötet, nachdem am Tage zuvor  der Mutter das alleinige Sorgerecht zugesprochen - und dem Vater ein Umgangsrecht ermöglicht wurde. Bei Gericht stimmte er zu, am Folgetag schlug er zu und tötete Juliet. Das Sorge- und Umgangsrecht erscheint uns mehr und mehr als ein Risikofaktor für Frauen und Kinder nach der Trennung vom Mann und Vater.

Stadtmütter: die Lübecker Stadtmütter, unser Schwesterbetrieb wird weitere zwei Jahre von der Possehl Stiftung gefördert, auch die Bluhme-Jebsen-Stiftung beteiligt sich. Der neue Bürgermeister Jan Lindenau bringt frischen Wind in die Hansestadt; er informiert sich über das nachhaltige Engagement der Stadtmütter.

Tafel Lübeck e.V.: dem Verein sei in besonderer Weise gedankt für seine praktische Unterstützung und die großzügige Spende für den Mädchen - , Jungen- und Familienbereich im Frauenhaus.

Unterstützung erhielten wir von Lübecker*innen, die Stärke und Energie bewiesen, die tatkräftige und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellten und gut geplant wie sorgfältig vorbereitet die Arbeit Frauenhaus sicherten. Danke! Wer gerne für sein Engagement namentlich genannt werden möchte, melde sich bitte einmal per Mail bei uns. Wir würden uns darüber freuen, denn Ihr und Sie können so noch mehr Unterstützer*innen ermutigen.

Vorstand: auch die externen Vorstandsfrauen Irene Böhme und Gisela Jannsen haben  unsere Frauenhausbelange aktiv und engagiert vorangebracht, danke.

Wohnungsnot: Frauen und Kinder zuletzt, der knappe Wohnungsmarkt wurde überlaufen. Kaum Platz für Frauen mit ihren Söhnen und Töchtern, die im Frauenhaus leben. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont besteht dennoch, denn im letzten Augenblick handeln die Teams in einigen Wohnungsbaugesellschaften dann doch beherzt und der Mietvertrag landet noch  rechtzeitig unter dem Tannenbaum.

X: das X steht für die politischen Wahlen. Mit den Wahlergebnissen seit 2017 wird uns Frauen deutlich vor Augen geführt, dass  Diskriminierung, Ausgrenzung und Intoleranz zunimmt; der gesellschaftliche  Protest gleichzeitig sinkt. Machen wir im kommenden Jahr nicht nur  Kreuze auf die Wahlscheine, sondern streiten wir gemeinsam für Gewaltverzicht, Freiheit und soziale Verantwortung.

Youngster: wir schätzen uns glücklich zwei 16jährige als Unterstützer*innen im Mädchen- und Jungenbereich als Kolleg*innen zu haben. Daniel und Lotti sind zweimal wöchentlich bei den Gruppenangeboten für die Mädchen und Jungen dabei. Ein Vorbild nicht nur für Kinder, danke.

ZDF, Zonta-Club:  Frauen kommen in Fahrt. Der Lübecker Zonta Club erobert den ÖPNV und demonstriert so gegen Gewalt gegen Frauen.  Dunja Hayali besucht das Frauenhaus und lädt uns in ihre Sendung ein, Link zur Sendung https://www.zdf.de/politik/dunja-hayali, Sendung vom 12.12.2018

Ihnen und Euch allen sei gedankt, wir wünschen allen einen guten Jahreswechsel sowie einen gesunden Start ins Neue Jahr. Mit Ihnen und Euch an unserer Seite waren wir erfolgreich. Wir wollen uns in den kommenden 40 Jahren gerne weiter  gemeinsam engagieren.  „ Ein kleines Wort: Danke findet zu Euch, weil große Worte für das, was ich sagen will zu klein sind.“ Das schrieb uns eine Mutter in diesem Jahr zu Weihnachten. Wir geben dieses schöne Zitat an alle Unterstützer*innen gerne weiter.

Pressemitteilung

Vierzig Jahre Autonomes Frauenhaus in Lübeck bedeuten vierzig Jahre Engagement und Kampf gegen Männergewalt!

Es ist kein Ende der häuslichen Gewalt und der kriminellen Handlungen von Männern jeden Alters, aller Schichten und Nationalitäten abzusehen. Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und etwa 30 000 Frauen und Kinder suchten im vergangenen Jahr 2017 Unterstützung in 350 Frauenhäusern und in 600 Frauenberatungsstellen. Laut der Presseerklärung der Ministerin Giffey haben mehr als 690 000 Frauen Gewalt durch Lebensgefährten, Ehemänner oder Expartner erleben müssen. So drastisch wird die Anzahl der von gewaltbetroffenen Frauen aber nicht dokumentiert, sondern es ist von den 20% Frauen die Rede, die aus der Bundeskriminalstatistk hervorgehen, also etwa 139.000 Frauen.

Vom 1. Januar bis zum 31. Oktober 2018 haben 173 Frauen und 224 Mädchen und Jungen Unterkunft im Autonomen Frauenhaus gefunden. 155 Frauen, die für sich und ihre 255 Kinder nach einem Platz gefragt haben, mussten wir enttäuschen und an weitere Häuser in Deutschland verweisen.

Die Hansestadt Lübeck hat bereits seitens der Verwaltung und der Politik reagiert und in Lübeck die Frauenhausplätze um 14 Plätze erhöht. Diese schnelle kommunalpolitische Reaktion hat uns sehr gefreut und wir sind dankbar. Seitens des Landes, in dessen Zuständigkeit die Frauenhäuser sind, fehlen bis heute vergleichbare Entscheidungen. Das Land Schleswig-Holstein fördert seit den 1990ziger Jahren die Frauenhäuser und eine landesweite Platzaufstockung ist mehr als überfällig.

Jede Frau, jeder Sohn und jede Tochter, die im Frauenhaus Unterkunft und Unterstützung suchen, startet neu durch und plant mit Hilfe der Beratung und des gegenseitigen solidarischen Handelns im Frauenhausalltag die Zukunft ohne Gewalt. Gemeinsam mit den Mitbewohnerinnen im Frauenhaus beginnen die Frauen ihre persönliche Erfolgsgeschichte zu schreiben. Das Augenmerk auf die Erfolge der Frauen zu richten und die Ressourcen und Kompetenzen zu stärken ist die Hauptaufgabe der Arbeit in den Frauenhäusern. "Jeder Tag im Frauenhaus kann ein Treppchen auf dem Weg nach oben sein."

Pressemitteilung

40 Jahre Autonomes Frauenhaus Lübeck – keine wirkliche Lebensverbesserung für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Sicht?

Am 1. Juli 2018 hat das Autonome Frauenhaus seinen 40. Geburtstag. Vieles wurde seit 1978 erkämpft, dennoch: 2016 zeigten fast 110.000 Frauen in Deutschland Gewalt in ihren Partnerschaften an und jährlich werden etwa 150 Frauen von ihren (Ex-)Partnern getötet (zwd 8.Juni 2018)

Als wir vor 40 Jahren die das Autonome Frauenhaus eröffneten, konnten mutige Frauen mit ihren Kindern Tag und Nacht ins Frauenhaus kommen, die sich, ihre Söhne und Töchter vor männlicher Gewalt schützen wollten. Heute können wir keiner Frau mehr eine Zusage machen. Unser Beratungszimmer ist mit Matratzen belegt und das Gartenbüro wurde zur Zwischenunterkunft einer jungen Frau mit ihrem 2 Monate jungen Säugling. Aktuell zählen wir 50 Personen im Frauenhaus. In ganz Schleswig-Holstein gibt es keinen freien Platz. Wir sind komplett überbelegt.

Ein kurzer Hoffnungsschimmer -  bekommt die fünfköpfige Familie die 4 Zimmer Wohnung in der Schützenstraße? Die große Enttäuschung folgt auf dem Fuß. Die Vermieterin sagt mit dem Hinweis, dass sie an deutsche Familien vermieten möchte ab.

Die örtliche Polizei, die Mitarbeiter*Innen des Jugendamtes, der Frauenfacheinrichtungen und das Frauenhausteam geraten unter Druck. Wohnungsnot, prekäre Wohnverhältnisse, ungesicherter Aufenthalt und  Armut erschweren nicht nur die Arbeit im Frauenhaus Lübeck, sondern bundesweit. Jahrelange Diskussionen zur Finanzierung und Ausstattung in Frauenhaushäusern, sogenannte unterstützende Maßnahmen verfehlen total ihre Wirkung. Es müssen die Minimalstandards gesichert sein und das heißt an erster Stelle ein flächendeckendes Angebot an Frauenhausplätzen für jede Frau, mit und ohne Kinder braucht einen ohne Wartezeit, ohne eine Reise durch das gesamte Bundesgebiet, sondern einfach sofort.

Anstelle von Gratulationen zum 40zigjährigen Jubiläum des Autonomen Frauenhauses nehmen die Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen gerne Wohnungsangebote, Spenden, konkrete Unterstützung und konstruktive Ideen zur Bekämpfung der herrschenden Missstände entgegen. In Lübeck und Schleswig-Holstein sind die verantwortlichen Sozialpolitiker*Innen dringend gefragt, jetzt politische Beschlüsse und schnelle Hilfen auf den Weg zu bringen. Nun wollen die Gleichstellungsministerinnen Frauen besser vor Gewalt schützen. Was schlagen sie vor? Laut Sibille Heine vom Zweiwochendienst: Frauen, Gesellschaft und Politik vom 8. Juni 2018 fordern sie, „dass der Bund, gemeinsam mit den Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft zügig verbindliche Verfahren verabredet, eine zentrale Koordinierungsstelle schafft und genügend Ressourcen für eine unabhängige Monitoring-Stelle zur externen Evaluation der Maßnahmen bereitstellt.“

Solche Beschlüsse, Gewaltschutzgesetze, das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung werden zur Farce, wenn die Frauenhäuser überfüllt sind!!! 40 Jahre Frauenhäuser in Deutschland bieten weder einen Anlass zum Feiern, noch zu Empfängen mit überschwänglichen Lobeshymnen. Nach wie vor dokumentieren die Frauen aus den Frauenhäusern die unerträgliche Akzeptanz von häuslicher Gewalt in der Gesellschaft und das geschieht heute wie vor vierzig Jahren.

Die Mitarbeiterinnen im Autonomen Frauenhaus Lübeck, Anke Kock, 0451 66 0 33

 

Zum LN-Artikel vom 18.06.2018

Herstory

In einer Kooperation mit dem Verein Frauen helfen Frauen und dem Theater Lübeck haben sich 12 Frauen auf die Suche nach Frauengeschichten und Frauengeschichte begeben. Musik, Malerei, Moritat und Monologe werden von starken Frauen beeindruckend und ergreifend auf die Bühne gebracht. Alle haben eines gemeinsam, sie wissen Bescheid und sie kennen sich mit der Benachteiligung und der Diskrimierung von Frauen aus. Physische und sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist nur die Spitze des Eisberges der Ungleichberechtigung.

"Herstory" war in 2018 im Jungen Studio im Theater Lübeck mehrmals im Programm. Danke für das zahlreiche Erscheinen und den ausverkauften Vorstellungen.

Ein Kommentar von Heimke Dittmann aus Hamburg vom März 2018 zur Theateraufführung "Herstory":

"Welch eine unglaublich berührende und beeindruckende Darstellung habt Ihr, haben diese Frauen mit dieser Darstellung geschafft. Es hat mich sehr bewegt und ich war mir fast sicher, dass die Darsteller ausgebildete Schauspieler, Musiker, Maler oder eben Künstler waren. Ich bin einfach ein wenig naiv nach Lübeck gekommen. Ist dieses "40 jährige Jubiläum" eigentlich allgemein in unserem Lande? Ich hörte nämlich am frühen Morgen im Radio-Info einen Bericht "40 Jahre Frauenhaus in Emden". So dumm, so naiv bin ich- aber mir ist bei eurer Aufführung erst so richtig klar geworden, wie wichtig eure Arbeit ist! Uns zwar nicht nur der Schutz vor Gewalt, sondern auch die Hilfe von Euch zum "Selbstbewusstsein" der Frauen!

Das Bewohnerinnenforum

Das Bewohnerinnenforum ist eine Frauengruppe, die sich aus ehemaligen und aktuellen Frauenhausbewohnerinnen zusammensetzt.

Warum engagieren sich diese Frauen?

"Jede Frau ist ein Original. Und Originale sind kostbar". Mit diesem Leitsatz hat das Autonome Frauenhaus seine Türen 1978 geöffnet. Viele Frauen, die die Trennung aus Gewaltverhältnissen schaffen, haben der Gesellschaft etwas zu bieten. Mut und Lebenserfahrung möchten die Frauen weitergeben, um die Gesellschaft zu verändern, Gewalt zu verhindern, Frauen- und Menschenrechte zu leben und zu pflegen. Aber auch um die feministische Trommel zu schlagen, Tabus zu brechen und politisch zu kämpfen. Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. 

Wie engagieren sich diese Frauen?

Frauen helfen Frauen, sie unterstützen sich im Alltag, bei der Kinderbetreuung, bei Behördengängen, bei Umzügen und Renovierungen. Sie unterstützen mehrsprachig bei vielen Gängen durch Lübeck, z.B. zu Ärzten, Behörden, Gerichten. Sie treten auf, wo es um die Benachteiligung von Frauen und Kindern geht, z.B. in politischen Sitzungen, in Netzwerken, auf Kongressen und auf Events. Sie initiieren Demonstrationen, Fachtage, Kulturveranstaltungen, internationale Netzwerke.

Im Sommer 2018 wird das Autonome Frauenhaus 40 Jahre alt. Diese Tatsache ruft das Bewohnerinnenforum in besonderer Weise mit verschiedenen Aktionen auf den Plan!

 

Eine Wächterin für Lübeck

Eine Wächterin für Gewaltverzicht in Lübeck,

ein Kunstprojekt mit der Bildhauerin Brigitte Schröder, weltweit Wächterinnen zu installieren, die zu mehr Achtsamkeit und gewaltfreie Kommunikation auffordern. Die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen ist global wie vor Ort eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Die Sensibilisierung der Gesellschaft findet zumeist nur über die Berichte in den Medien statt. Die bildenden Künste greifen das Thema zwar auf, doch werden die Werke im Museum oder in privaten Galerien nur von Teilen der Bevölkerung bewusst wahrgenommen. Das Bewohnerinnenforum beabsichtigt mit der Installation der Lübecker Wächterin dem Postulat des Gewaltverzichts und des gewaltfreien Handelns einen Standpunkt zu geben und es sichtbar zu verorten. Sie wollen einen Ort gründen, wo sich Menschen begegnen, die einen Standpunkt gegen Gewalt und Machtmissbrauch einnehmen wollen und müssen. Von dieser Idee bis zur Realisierung sind viele Schritte und Arbeitswege zu tun. Nach wenigen Informationsgesprächen haben sich Frauen aus dem ev. Frauenwerk und den Lübecker Stadtmüttern bereits angeschlossen. Damit ist für diesen Plan aus dem Bewohnerinnenforum erstmalig ein Lübecker Frauenforum gewachsen.

Warum eine Wächterin für Lübeck?

Katrin, 42 Jahre, aus dem Frauenforum berichtet aus ihrer Sicht:

Als ich von diesem "Projekt" hörte, war ich sofort davon begeistert. Weltweit gibt es so viele verschiedene Arten von Gewalt an Frauen. Viel zu oft wird dieses Thema unter den Teppich gekehrt und verheimlicht. Selten wird von den Opfern aus Scham oder Angst offen über dieses Thema gesprochen. Den ersten Schritt zu machen fällt vielen Frauen schwer. Leider wird noch immer zu oft gedacht, dass einem nicht geglaubt wird oder die Angst vor den möglichen Folgen sitzt einfach zu tief.

Doch nicht nur den Opfern geht es so. Auch Angehörigen, Freunden, Nachbarn, Kollegen oder anderen Aussenstehenden aus dem Umfeld fällt es nicht unbedingt leicht, etwas zu unternehmen. Es ist einfacher wegzuschauen und ein Eingreifen anderen zu überlassen, als sich den "Unannehmlichkeiten" die folgen könnten zu stellen. Aber gerade dieser erster Schritt von Aussenstehenden macht es manch einer betroffenen Frau einfacher sich zu öffnen und Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Warum ich also das Projekt der Wächterinnen so klasse finde? U.a. die Vorstellung, das an vielen verschiedenen Orten eine Wächterin auch visuell an das Thema "Gewalt an Frauen" erinnert. Sie soll Außenstehende an Zivilcourage und an mehr Achtsamkeit erinnern und betroffene Frauen ermutigen. Eine Wächterin soll nicht nur ein Zeichen setzen, sie soll auch ein Ort zum Nachdenken, Mut und Kraft schöpfen oder auch zum Trauern in "bewachter" Umgebung schaffen. Gleichzeitig kann es aber auch einfach ein Ort zum Treffen und gemeinsamen Gesprächen sein. Gewalt an Frauen gibt es auf der ganzen Welt, deshalb ist jede Wächterin, die weltweit aufgestellt wird bzw. aufgestellt ist, auch ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität.

Brigitte Schröder- zur Person

Brigitte Schröder ist 1964 geboren und ist ausgebildete Holzbildhauerin und Restauratorin. 2009 entstand die Idee der Wächterinnen, um das Thema Achtsamkeit zu versinnbildlichen. Warum aber 10.000 Wächterinnen? Die Antwort war klar, um weltweit ein großes Netz aus Menschen, die sich für dasselbe einsetzen, zu knüpfen. 

Von Idee zur Wirklichkeit- mittlerweile gibt es über 200 Wächterinnen an über 70 Orten in 14 Ländern und auf 5 Kontinenten. Jede Wächterin ist ein Unikat. Auf dem Rücken tragen sie Flügel oder ein Schild. Sie sind dadurch gleichzeitig geerdet und streben nach oben. Die Hände sind meistens in einer schalenförmigen Haltung und drücken dadurch das Geben und Nehmen aus. Einige formen die Hände zu einem Dreieck. Dann liegt die Ausrichtung in einem selbst. 

Unterstützt Brigitte Schröder und auch uns, neben den USA, Kanada, Australien, Namibia, Südafrika, Lettland, Litauen, Griechenland, Indien, Israel, Dänemark uvm. die Wächterin nach Lübeck zu holen. 

Mehr Infos zu Brigitte Schröder hier klicken!

www.brigitteschroeder.de