Pressemitteilung

40 Jahre Autonomes Frauenhaus Lübeck – keine wirkliche Lebensverbesserung für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Sicht?

Am 1. Juli 2018 hat das Autonome Frauenhaus seinen 40. Geburtstag. Vieles wurde seit 1978 erkämpft, dennoch: 2016 zeigten fast 110.000 Frauen in Deutschland Gewalt in ihren Partnerschaften an und jährlich werden etwa 150 Frauen von ihren (Ex-)Partnern getötet (zwd 8.Juni 2018)

Als wir vor 40 Jahren die das Autonome Frauenhaus eröffneten, konnten mutige Frauen mit ihren Kindern Tag und Nacht ins Frauenhaus kommen, die sich, ihre Söhne und Töchter vor männlicher Gewalt schützen wollten. Heute können wir keiner Frau mehr eine Zusage machen. Unser Beratungszimmer ist mit Matratzen belegt und das Gartenbüro wurde zur Zwischenunterkunft einer jungen Frau mit ihrem 2 Monate jungen Säugling. Aktuell zählen wir 50 Personen im Frauenhaus. In ganz Schleswig-Holstein gibt es keinen freien Platz. Wir sind komplett überbelegt.

Ein kurzer Hoffnungsschimmer -  bekommt die fünfköpfige Familie die 4 Zimmer Wohnung in der Schützenstraße? Die große Enttäuschung folgt auf dem Fuß. Die Vermieterin sagt mit dem Hinweis, dass sie an deutsche Familien vermieten möchte ab.

Die örtliche Polizei, die Mitarbeiter*Innen des Jugendamtes, der Frauenfacheinrichtungen und das Frauenhausteam geraten unter Druck. Wohnungsnot, prekäre Wohnverhältnisse, ungesicherter Aufenthalt und  Armut erschweren nicht nur die Arbeit im Frauenhaus Lübeck, sondern bundesweit. Jahrelange Diskussionen zur Finanzierung und Ausstattung in Frauenhaushäusern, sogenannte unterstützende Maßnahmen verfehlen total ihre Wirkung. Es müssen die Minimalstandards gesichert sein und das heißt an erster Stelle ein flächendeckendes Angebot an Frauenhausplätzen für jede Frau, mit und ohne Kinder braucht einen ohne Wartezeit, ohne eine Reise durch das gesamte Bundesgebiet, sondern einfach sofort.

Anstelle von Gratulationen zum 40zigjährigen Jubiläum des Autonomen Frauenhauses nehmen die Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen gerne Wohnungsangebote, Spenden, konkrete Unterstützung und konstruktive Ideen zur Bekämpfung der herrschenden Missstände entgegen. In Lübeck und Schleswig-Holstein sind die verantwortlichen Sozialpolitiker*Innen dringend gefragt, jetzt politische Beschlüsse und schnelle Hilfen auf den Weg zu bringen. Nun wollen die Gleichstellungsministerinnen Frauen besser vor Gewalt schützen. Was schlagen sie vor? Laut Sibille Heine vom Zweiwochendienst: Frauen, Gesellschaft und Politik vom 8. Juni 2018 fordern sie, „dass der Bund, gemeinsam mit den Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft zügig verbindliche Verfahren verabredet, eine zentrale Koordinierungsstelle schafft und genügend Ressourcen für eine unabhängige Monitoring-Stelle zur externen Evaluation der Maßnahmen bereitstellt.“

Solche Beschlüsse, Gewaltschutzgesetze, das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung werden zur Farce, wenn die Frauenhäuser überfüllt sind!!! 40 Jahre Frauenhäuser in Deutschland bieten weder einen Anlass zum Feiern, noch zu Empfängen mit überschwänglichen Lobeshymnen. Nach wie vor dokumentieren die Frauen aus den Frauenhäusern die unerträgliche Akzeptanz von häuslicher Gewalt in der Gesellschaft und das geschieht heute wie vor vierzig Jahren.

Die Mitarbeiterinnen im Autonomen Frauenhaus Lübeck, Anke Kock, 0451 66 0 33

 

Zum LN-Artikel vom 18.06.2018

Herstory

"Herstory"- eine Performance im Theater Lübeck. Ein Dutzend Lübeckerinnen machen sich auf die Suche nach ihrer Geschichte und Lübecker Geschichten. Szenen, Musik und Malerei wurden zuletzt am 02.06.2018 um 20.00 Uhr im Jungen Studio im Theater Lübeck in der Beckergrube dem Publikum offeriert. Danke für das zahlreiche Erscheinen und den ausverkauften Vorstellungen.

 

 

Das Bewohnerinnenforum

Das Bewohnerinnenforum ist eine Frauengruppe, die sich aus ehemaligen und aktuellen Frauenhausbewohnerinnen zusammensetzt.

Warum engagieren sich diese Frauen?

"Jede Frau ist ein Original. Und Originale sind kostbar". Mit diesem Leitsatz hat das Autonome Frauenhaus seine Türen 1978 geöffnet. Viele Frauen, die die Trennung aus Gewaltverhältnissen schaffen, haben der Gesellschaft etwas zu bieten. Mut und Lebenserfahrung möchten die Frauen weitergeben, um die Gesellschaft zu verändern, Gewalt zu verhindern, Frauen- und Menschenrechte zu leben und zu pflegen. Aber auch um die feministische Trommel zu schlagen, Tabus zu brechen und politisch zu kämpfen. Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. 

Wie engagieren sich diese Frauen?

Frauen helfen Frauen, sie unterstützen sich im Alltag, bei der Kinderbetreuung, bei Behördengängen, bei Umzügen und Renovierungen. Sie unterstützen mehrsprachig bei vielen Gängen durch Lübeck, z.B. zu Ärzten, Behörden, Gerichten. Sie treten auf, wo es um die Benachteiligung von Frauen und Kindern geht, z.B. in politischen Sitzungen, in Netzwerken, auf Kongressen und auf Events. Sie initiieren Demonstrationen, Fachtage, Kulturveranstaltungen, internationale Netzwerke.

Im Sommer 2018 wird das Autonome Frauenhaus 40 Jahre alt. Diese Tatsache ruft das Bewohnerinnenforum in besonderer Weise mit verschiedenen Aktionen auf den Plan!

 

Eine Wächterin für Lübeck

Eine Wächterin für Gewaltverzicht in Lübeck,

ein Kunstprojekt mit der Bildhauerin Brigitte Schröder, weltweit Wächterinnen zu installieren, die zu mehr Achtsamkeit und gewaltfreie Kommunikation auffordern. Die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen ist global wie vor Ort eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Die Sensibilisierung der Gesellschaft findet zumeist nur über die Berichte in den Medien statt. Die bildenden Künste greifen das Thema zwar auf, doch werden die Werke im Museum oder in privaten Galerien nur von Teilen der Bevölkerung bewusst wahrgenommen. Das Bewohnerinnenforum beabsichtigt mit der Installation der Lübecker Wächterin dem Postulat des Gewaltverzichts und des gewaltfreien Handelns einen Standpunkt zu geben und es sichtbar zu verorten. Sie wollen einen Ort gründen, wo sich Menschen begegnen, die einen Standpunkt gegen Gewalt und Machtmissbrauch einnehmen wollen und müssen. Von dieser Idee bis zur Realisierung sind viele Schritte und Arbeitswege zu tun. Nach wenigen Informationsgesprächen haben sich Frauen aus dem ev. Frauenwerk und den Lübecker Stadtmüttern bereits angeschlossen. Damit ist für diesen Plan aus dem Bewohnerinnenforum erstmalig ein Lübecker Frauenforum gewachsen.

Warum eine Wächterin für Lübeck?

Katrin, 42 Jahre, aus dem Frauenforum berichtet aus ihrer Sicht:

Als ich von diesem "Projekt" hörte, war ich sofort davon begeistert. Weltweit gibt es so viele verschiedene Arten von Gewalt an Frauen. Viel zu oft wird dieses Thema unter den Teppich gekehrt und verheimlicht. Selten wird von den Opfern aus Scham oder Angst offen über dieses Thema gesprochen. Den ersten Schritt zu machen fällt vielen Frauen schwer. Leider wird noch immer zu oft gedacht, dass einem nicht geglaubt wird oder die Angst vor den möglichen Folgen sitzt einfach zu tief.

Doch nicht nur den Opfern geht es so. Auch Angehörigen, Freunden, Nachbarn, Kollegen oder anderen Aussenstehenden aus dem Umfeld fällt es nicht unbedingt leicht, etwas zu unternehmen. Es ist einfacher wegzuschauen und ein Eingreifen anderen zu überlassen, als sich den "Unannehmlichkeiten" die folgen könnten zu stellen. Aber gerade dieser erster Schritt von Aussenstehenden macht es manch einer betroffenen Frau einfacher sich zu öffnen und Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Warum ich also das Projekt der Wächterinnen so klasse finde? U.a. die Vorstellung, das an vielen verschiedenen Orten eine Wächterin auch visuell an das Thema "Gewalt an Frauen" erinnert. Sie soll Außenstehende an Zivilcourage und an mehr Achtsamkeit erinnern und betroffene Frauen ermutigen. Eine Wächterin soll nicht nur ein Zeichen setzen, sie soll auch ein Ort zum Nachdenken, Mut und Kraft schöpfen oder auch zum Trauern in "bewachter" Umgebung schaffen. Gleichzeitig kann es aber auch einfach ein Ort zum Treffen und gemeinsamen Gesprächen sein. Gewalt an Frauen gibt es auf der ganzen Welt, deshalb ist jede Wächterin, die weltweit aufgestellt wird bzw. aufgestellt ist, auch ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität.

Brigitte Schröder- zur Person

Brigitte Schröder ist 1964 geboren und ist ausgebildete Holzbildhauerin und Restauratorin. 2009 entstand die Idee der Wächterinnen, um das Thema Achtsamkeit zu versinnbildlichen. Warum aber 10.000 Wächterinnen? Die Antwort war klar, um weltweit ein großes Netz aus Menschen, die sich für dasselbe einsetzen, zu knüpfen. 

Von Idee zur Wirklichkeit- mittlerweile gibt es über 200 Wächterinnen an über 70 Orten in 14 Ländern und auf 5 Kontinenten. Jede Wächterin ist ein Unikat. Auf dem Rücken tragen sie Flügel oder ein Schild. Sie sind dadurch gleichzeitig geerdet und streben nach oben. Die Hände sind meistens in einer schalenförmigen Haltung und drücken dadurch das Geben und Nehmen aus. Einige formen die Hände zu einem Dreieck. Dann liegt die Ausrichtung in einem selbst. 

Unterstützt Brigitte Schröder und auch uns, neben den USA, Kanada, Australien, Namibia, Südafrika, Lettland, Litauen, Griechenland, Indien, Israel, Dänemark uvm. die Wächterin nach Lübeck zu holen. 

Mehr Infos zu Brigitte Schröder hier klicken!

www.brigitteschroeder.de